Sonntag, 19. Februar 2012

Gefühlschaos - die Achterbahn der Gefühle ...







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                    So dala, nun bin ich also schon seit fast 2 Monaten in Indien und schon seit ca. 1,5 Monaten in meinem Projekt „Ananya Trust“, einer Ganztagsschule für underpreviligierte Kinder und vor allem Straßenkinder. Es ist eine ziemlich lange Zeit vergangen, in der ich meinen Blog und somit auch euch etwas „vernachlässigt“ habe; ich hoffe Ihr nehmt es mir nicht übel!;)  Ich hatte in der letzten Zeit sehr damit  zu kämpfen  das alles hier, diese völlige Andersartigkeit der Kultur, der Sitten und Moralvorstellungen, zu verarbeiten. Und das war und ist immer noch nicht so einfach… Unmittelbar nach meiner Ankunft in Indien,  als wir noch im Welcome-Camp waren, war ich zunächst noch total euphorisch, neugierieg und fasziniert von all den neuen Eindrücken, die Indien zu bieten hat. Es begann mit der brauschenden Natur (s. letzter Beitrag),  den vielen Tieren, die man in Deutschland sonst nur im Zoo sehen würde, der Offenheit der Kindern, die von selbst auf einen zugingen und die man schließlich auch nur sehr schwer wieder losbekam und last but not least beeindruckte mich die im Dorf zum Vorschein kommende Einfachheit des Lebensstils – Frauen in Sari und Punkt auf der Stirn, die entweder Vasen bzw. Kannen von Wasser auf ihren Köpfen umhertrugen oder am Wegrand sitzend ihre Kleidung mit Händen in Eimern schrubbten und wuschen.  Auf all diese neuen Bilder und Eindrücke folgte schließlich auch noch das Kennenlernen eines anderes „Essenstils“ – und zwar mit Händen! Anfangs sträubte ich mich erst noch davor und benutzte widerwillig noch das mir so wohlbekannte westliche Besteck zum Essern. Doch nach einer geringen Zeit fing dann auch ich an mit Fingern zu essen und mittlerweile habe ich mich schon so daran gewöhnt, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann wieder mit Besteck zu essen. Nun ja, doch in unserem  1-wöchigen"Welcome-Camp" im Dorf umgeben von Natur und  Tieren waren wir eigentlich trotz den bereist hier schon so vielen neuen Eindrücken und Veränderungen eigentlich noch, ich sag mal, relativ „geschützt“ bzw. so wie in Watte gepackt… erst als wir zum ersten Mal in der Stadt, in Bangalore, waren , kam dann der richtige Schock! Ich habe wirklich noch nie so eine laute, verkehrsüberfüllte, chaotische und „versmokede“ Stadt wie Bangalore gesehen!!!!! Die Fahrzeuge fahren hier wie sie wollen, es gibt hier auch so gut wie keine Verkehrsschilder und ich bezweifle auch, dass hier überhaupt welche Verkehrsregeln gibt. Ampel stehen hier glaub ich auch mehr zur Deko als zum Zwecke der Sicherheit da! – Hier heißt es rennen wenn man heil über die Straße kommen möchte. Aber ACHTUNG! – Nicht vergessen, dass in Indien Linksverkehr gilt, sich aber trotzdem immer mal wieder ein  paar Geisterfahrer  eine Abkürzung suchen!!!  Ach ja, und das Kühe in Indien heilig sind, wird meiner Meinung nach  fast noch am besten im Straßenverkehr sichtbar. Denn kaum befindet sich mal eine Kuh auf der Straße, indem sie sich mitten auf der Fahrbahn bequem macht und sich hinlegt, fahren die Autos auf einmal richtig vorsichtig und   – ich kann es immer noch nicht glauben- ja sie halten sogar noch an!!! Zu dem ganzen Chaos kommt dann noch die Hupe hinzu – diese wird hier so gut wie non stopp benutzt und ähnelt meiner Meinung nach einem kaputtem Radio, das die ganze Zeit läuft und einfach nur noch super nervig ist! Doch ich muss sagen, dass ich mich auch daran schon so langsam gewöhnt habe und diesen Lärm und das Chaos hier schon gar nicht mehr so richtig wahrnehme, es wird einfach immer mehr zur Normalität für mich. Nun bin ich ja schon eine Zeit lang in Indien und auch wenn ich mich an Vieles schon gewöhnt habe, fällt es mir trotzdem sehr oft immer noch schwer diese völlige Andersartigkeit in eigentlich fast allen Dingen so anzunehmen bzw. überhaupt erstmal zu realisieren… Allerdings  bereiten mir zur Zeit die vielen gaffenden und neugierigen  der Inderinnen und Inder viel mehr Schwierigkeiten: durch die Tatsache nämlich, das ich mich hier immer angestarrt fühle und auch häufig einfach mal ein Inder ein Handy aus der Tasche zieht und ohne zu fragen mal eben ein Foto macht, realisiert man erst dass man eben die Fremde hier ist und einfach anders ist und irgendwie nicht dazugehört… und das ist ein wirklich ekliges Gefühl! L Dementsprechend verhält sich meine Stimmung hier auch wie eine Achterbahn – es ist ein ständiges Wechseln von zu Tode betrübt bis heiter und fröhlich jauchzend! Es gibt Tage, da liebe ich Indien, bin beeindruckt von den schönen indischen Kleidern und Saris, der Buntheit der Städte, der vielem Obstmärkte, der Natur und den Tieren und der Vielfältigkeit Indiens. An diesen Tagen bin ich sooo froh hier zu sein  und genese jeden Augenblick mit all meinen verfügbaren Sinnen. Dann gibt aber auch sehr häufig Tage, wo ich am liebsten alles hinschmeißen würde, wo mich einfach alles ankotzt – die ständigen Blicke der Inder, die wahnsinnig langen Zeit, die sich die Inder meiner Meinung nach für jede Art von Arbeit lassen und das für mich damit verbunde lange und geduldige Warten und nicht zu Letzt der viele Müll und Dunst auf den Straßen!! Meine Stimmungslagen sind eigentlich genauso kontrastreich wie Indien selbst! Hierbei möchte ich vor allem noch den krassen Kontrast zwischen Arm und Reich verdeutlichen – in Indien gibt es nämlich Viertel, wo es nur so von Armut wimmelt: Viele Invalide, Kinder und Frauen kommen in diesen Gegenden zum Betteln und wenn sie einen erst mal angesprochen haben und man sich auf ein Gespräch einlässt,  kann es noch lange Zeit dauern bis man seinen Weg wieder alleine fortzuführen kann. Gleich neben solchen Viertel finden man dann auf einmal  Skyscraper, edle Hotels, lange Shopping-Moles mit sehr westlich, elegant oder  markenhaft gekleideten Menschen. Für mich persönlich ist es, wie als würden hier zwei Welten existieren  – zwei Welten, die sich – so wie es mir zumindest erscheint – ignorieren, obwohl sie nebeneinander, Viertel an Viertel, zusammenleben!!

Nun hoffe ich Euch mit meinem Gefühlschaos nicht zu sehr verwirrt zu haben und noch verständlich genug geschrieben zu haben!!! Hoffentlich beim nächsten mal wieder ein „erholterer“ Bericht! ;)